Welte

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Aus zwei mach eins

Welte bietet mit dem W190 eine neue Baureihe – im Schwarzwald rückt der Prototyp bereits

Was tun, wenn die eine Maschine kompakt, aber für manches Bloch nicht immer stark genug ist, die kräftigere aber zu groß? Man vereint einfach beide Vorteile einer Maschine. Genau das tat die Firma Welte und baute das nagelneue Modell II W190.

Die Eigentümer des Rückeunternehmens „Franz Müller Forsttechnisches Unternehmen“ sind echte Schwarzwälder. Franz Müller gründete einst seinen Betrieb im Ort Häg-Ehrsberg, mitten im Südschwarzwald. Mittlerweile Übergabe der Senior den Betrieb seinem Sohn Martin. Mit dem Unternehmen übernahm Martin Müller die Begeisterung für Welte. Sieben Skidder des bei Freiburg ansässigen Forstmaschinenbauers haben die beiden im Einsatz – darunter auch Kombimaschinen. Mit einem Team aus rund 14 Fahrern und Waldarbeitern fällt und rückt die Familie Müller vor allem in den Privatwäldern Baden-Württembergs, aber auch im Staatswald. Doch gerade die kleinparzellierten Privatwälder bereiteten dem 38-jährigen Martin Müller bisweilen Kopfzerbrechen. „Wir fahren einige W210“, so der Unternehmer. Doch der kräftige Sechszylinder sei zuletzt recht groß geworden. So bietet der W210 zwar eine geräumige Kabine, doch diese fällt eben auch breiter und höher aus. Viele Welte-Kunden schätzen die große Kabine, für Müller ist sie bei seinen Aufträgen manchmal ein Problem: „Wir haben hier in den Privatbeständen enge Wege und teilweise Hohlgassen. Da muss man schräg fahren.“ Dadurch kann es zwischen Maschine und Bestand schon mal eng werden. Da es sich im Kleinprivatwald um ständig wechselnde Eigentümer handelt, kann Müller auch nicht mal eben einen Baum, der besonders nahe an der Gasse steht, entnehmen.

Der erste Lösungsansatz für Müller: Er kaufte sich einen kleineren W130. Doch dem Vierzylinder fehlte bei starken Weißtannen das letzte Quäntchen Leistung. Schließlich ist der Schwarzwald bekannt für besonders dicke Tannen. Nach Gesprächen mit der Firma Welte entstand der zweite Lösungsansatz: Aus zwei mach eins.

Kräftig, aber kürzer

Im Grunde schnappte sich Hersteller Welte von seinen beiden Baureihen das in diesem Fall beste. Sie setzten an den Vorderwagen der Vierzylinder-Baureihe den Hinterwagen des Sechszylinders. Es entstand der W190, eine völlig neue Baureihe. „Wir wollten eine Maschine schaffen, kräftig wie der 210er, aber, aufgrund der Motorisierung, sparsamer im Verbrauch – zudem in kürzerer Bauweise“, erklärt Alexander Welte den Hintergrund der eigenen Entwicklung. Somit ist die Motorhaube und die Kabine vom 130er, und ab dem Mittelgelenk handelt es sich um einen 210er. Lediglich Bauteile wie beispielsweise der vorne sitzende Tank wurden vergrößert. Außerdem stammt die Rahmenabschlussplatte am Heck des Vorderwagens vom Sechszylinder, um dessen stärkeres Mittelgelenk aufzunehmen. Weil der Kunde Müller eine Kurzversion wünschte, heißt der neue Welte in diesem Fall W190K und ist damit 60 Zentimeter kürzer als ein W210K.

Doch mit das Wichtigste: Im W190 steckt zwar der 190-PS-Vierzylinder, aber seine Kraft gibt der Volvo-Motor an den Antriebsstrang eines Sechszylinder-Welte weiter. Das heißt: Am Dieselmotor sitzt die Fahrpumpe und die Arbeitspumpe von Linde, die auch in den kleinen Welte stecken, danach aber folgt das Getriebe aus den großen Welte, mit links und rechts zwei 160-Kubikzentimeter-Fahrmotoren angeflanscht. Allerdings setzten die Welte-Techniker die Getriebeübersetzung höher. In Verbindung mit den zwei Fahrmotoren erhält der W190 im zweiten Gang dadurch deutlich mehr Zugkraft als ein 210, büßt allerdings an Fahrgeschwindigkeit ein. Während die Zugkraft bei Welte als Staatsgeheimnis gehandelt wird, ist die Geschwindigkeit bekannt: nur 25 Kilometer pro Stunde statt der bekannten 40 Sachen. Für den Forstunternehmer Martin Müller keine Einschränkung: „Die 40 sind nicht so entscheidend. Wir setzen die Maschine immer mit dem eigenen Tieflader um.“ Auch mit den Dimensionen ist Müller nun einverstanden: „Die Kabine ist etwa 25 Zentimeter schmäler als beim 210er und sitzt um die 20 Zentimeter tiefer.“ Jetzt rollt der Welte mit einem günstigeren Winkel die schrägen Gassen entlang, ohne Vollkontakt mit dem Bestand. Und Müller kennt noch einen weiteren Pluspunkt. „Wir seilen viel und müssen deshalb häufig aus der Kabine raus und wieder rein. Das sind jetzt zwei Tritt weniger.“

Leistungsstärkster Kran am Markt

Dafür gibt es bei der Krankraft mehr. Joscha Nühnen, geschäftsführender Gesellschafter bei Welte, kennt den Grund: „Der W130 ist schon eine starke Maschine, aber limitiert beim Kranaufbau. Wir bekommen aber regelmäßig von unseren Kunden Anfragen nach noch stärkeren Kränen.“ Da der Hinterwagen plus Knickgelenk vom starken Welte-Bruder stammt, kann er auch einen extrastarken Kran tragen. Auf der aktuellen Maschine sitzt nämlich ein Epsilon X140F mit einem Bruttohubmoment von 173 Kilonewtonmetern und mit einer Reichweite von 10,20 Metern. In dieser Ausführung liegt das Nettohubmoment bei saftigen 119 Kilonewtonmetern. Auch ein Mesera 142F mit einem Bruttohubmoment von 175 Kilonewtonmetern ist möglich. „Beide zählen zu den stärksten Forwarderkränen am Markt“, freut sich Geschäftsführer Alexander Welte. 

Dicke Tanne und Buche

Vor einem Jahr baute Welte diesen Prototyp, seit knapp sechs Monaten fährt sie der Forstunternehmer Müller. Zwar rückt er viel im Privatwald, am heutigen Tag aber räumt er im Staatswald bei Gersbach auf. Der Sturm der vergangenen Monate trieb hier sein Unwesen. Dicke Tannen und Buchen, also der klassische Plenterwald-Bestand dieser Region, liegen aufm dem Boden. Von diesen Bäumen legt keiner mehr Jahresringe zu. Dafür legt Lukas Genter zu, nämlich einen Gang. Genter ist der Fahrer des neuen Welte und findet Gefallen am neu übersetzten Getriebe. Denn kraftvoll schiebt sich der W190 im zweiten Gang die Gasse raus. Sein Chef Martin Müller weiß, warum: „Mit dem 25-km/h-Getriebe fahren wir 25% häufiger im zweiten Gang und das mit hoher Zugkraft.“ Mit entsprechend Wumms an den Rädern und Saft im Epsilon-Kran lädt sich der 29-Jährige Genter die 1,6 Quadratmeter-Klemmbank voll. Sollte die Kranreichweite von 10,20 Metern nicht mehr reichen, kann er auf die verbaute Welte-Doppeltrommelwinde mit je 120 Meter 13er Seil zurückgreifen. Diese bietet 16 Tonnen Summenzugkraft (160 kN), wenn beide Seile zusammengenommen werden. Das heißt: Über Ventile lässt sich die Zugleistung jeder Trommel getrennt einstellen, beispielsweise links zehn Tonnen, rechts sechs.

Mit fast 20 Festmetern in der Klemmbank walzt der W190 wieder auf die Waldstraße. Der Chef scheint zufrieden mit der Leistung des Welte-Piloten und des W190K. „Die Maschine schließt die Lücke zwischen dem 130er und dem 210er.“ Der 1,94-Meter-Hüne fährt in seinem Betrieb die zu ihm passende Maschine: einen W240 Titan. Diesen Sechszylinder hat er mit einem Aggregat ausrüsten lassen. Damit agiert er in erster Linie in Kleinprivatwäldern, in denen sich ein Harvester nicht lohnen und eine motormanuelle Kraft viel Zeit und Geld kosten würde. Also schneidet Müller mit dem W240 und rückt das Holz anschließend gleich. Diese Verschmelzung der Systeme scheint es Martin Müller angetan zu haben. Somit ist er auch genau der Richtige für den W190.

 

Der Artikel ist erschienen:

Julian Delbrügge: Forstmaschinen-Profi, Mai 2018