Eine Maschine wie ein Handschlag
Norbert und Lukas Reisinger haben schon die dritte Welte-Maschine (sh. auch Waldtec 10/2019, S. 3). Auch der Grund dafür hat sich nicht geändert: die flexiblen Einsatzmöglichkeiten und die lückenlose Servicebetreuung von Welte. Waldtec nahm eine ziemlich komplett ausgestattete W230 K in Augenschein – den ersten in Österreich ausgelieferten Welte-Schlepper mit der neuen Kabine.
Die gemeinsame Geschichte von Welte und den Reisingers reicht schon weit in die Vergangenheit zurück. „Wir waren die ersten, die ihren Welte-Schlepper mit einem Kesla-Kopf bestücken ließen. Heute ist das ein Welte-Standard“, freut sich Norbert Reisinger. Wohl aus Freude über diesen erfolgreichen gemeinsamen Weg haben sich die Reisingers die Sonderfarbe Schwarz am Welte W230 K und gelbe Aufkleber gegönnt. Jetzt fahren sie einen Welte, den es so nur einmal gibt.
Ich habe mich in meinen ersten Welte-Schlepper reingesetzt – und bin dann immer dabei geblieben. Es gab für mich objektiv keinen Grund,
eine andere Maschine auch nur probieren. Das hat einfach gepasst“, sagt Norbert Reisinger mit einem ruhigen Lächeln. Seine Lebenshaltung sind wohl der Stoff, aus dem lebenslange Ehen sind, denke ich mir. Vieles in der Familie ist auf Langzeit ausgelegt: Sein Sohn Lukas – selbst erst jüngst mit dem Zdimalpreis ausgezeichneter Forstfacharbeiter (sh. Forstzeitung 11/2024, S. 33) – werkt im Forstunternehmen Reisinger in dritter Generation – und arbeitet sichtlich gern mit seinem Vater zusammen, der seinerseits schon an seinen Sohn übergeben hat. „Früher waren wir mal zu dritt, doch aus familiären Gründen ist unser Beifäller ausgeschieden.
Ich bräuchte jemanden, der in der Arbeitseinteilung flexibel ist und fachlich was draufhat – solche Leute sind rar“, betont der Junior.
Zange oder Runge
Dafür ist man maschinenseitig nun optimal aufgestellt: Nach einer 4-Rad-4-Zylinder- (W130) und einer 6-Rad-4-Zylindermaschine (W190 K) ist es nun das 6-Rad-6-Zylindermodell von Welte geworden. Das „K“ in der Typenbezeichnung steht für kurzen Radstand. Auch hier hängt ein Kesla-Aggregat am Kran – entweder der 21 RH für die Erstdurchforstung
oder der 26 RH für Zweitdurchforstungen und Endnutzungen. „Die Kesla-Köpfe haben ein unübertroffenes Leistungsgewicht, umfassen jetzt den Stamm noch besser und passen ideal zur Maschine“, betont der junge Forstunternehmer. An diesem Tag arbeiten die beiden mit der kleinen Klemmbank von Welte. Wenn er nicht gerade den Rungenkorb montiert hat, habe er die immer drauf. „Wer mit Hirn reinlädt, der kann mit ihr 12 bis 14 fm rücken – also kleinere Durchmesser unten, größere oben. Da kannst du besser klemmen und verlierst nichts“, verrät der Vater. Außerdem weist die W230 K der Reisingers einen Krantilt und konsequenterweise dann auch ein verstellbares Stirngitter am Rungenkorb auf. Anstelle eines Frontschilds wurde an der Maschine eine Frontbergewinde montiert, die in steilen Lagen zur bodenschonenden Arbeit verwendet werden kann oder eine einfache Bergung der Maschine ermöglicht – „auf Steilungen oder in nassen Gräben“, die es im Haupteinsatzgebiet, dem Dunkesteiner Wald, durchaus gibt.
Neue Kabine bietet Pkw-Komfort
„Die neue Kabine ist eine Wucht, weil sie nach oben jetzt eine noch bessere Sicht bietet und unglaublich gut gedämmt ist. Mit der optionalen Freisprechanlage und der zentralen Verriegelung hast du beinahe Komfort auf Pkw-Niveau“, schwärmt Norbert Reisinger. Die 10-teilige (?) Rundum-LED-Beleuchtung am Schlepper ist hochwertig, was sich bei prekären Lichtverhältnissen schon bewährt habe. Serienmäßig ist bei Welte das Fernwartungsmodul, das eine Fehlerdiagnose sowie ein Aufspielen von Updates „over the air“ ermöglicht. Auch das erinnert an einen gut ausgestatteten Pkw eher als an ein Arbeitsgerät.
Durch die speziell für Welte entwickelten Joysticks lässt sich die komplette Maschine nun ohne Umgreifen bedienen. Die elektrische Drehsitzplattform mit 360°-Drehung ermöglicht es, die Sitzposititon während der Fahrt in die jeweilige Arbeitsrichtung auszurichten. Für Welte typisch sind die beiden Ein- und Ausstiege, wodurch die Maschine zu beiden Seiten verlassen werden kann. Unter der Fronthaube
werkt ein 6-Zylinder-Motor von Deutz mit 6,1 Litern Hubraum und 245 PS. Der hydrostatische Fahrantrieb verfügt über zwei Fahrmotoren
sowie über ein 2-Gang-Getriebe, wodurch die Maschine wahlweise mit 25 oder 40 km/h auf der Straße fahren kann, eine Straßenzulassung ist möglich. Ein großer Vorteil bei Welte ist der knapp 300 Liter fassende Hydraulikölkreislauf, der auch lange Straßenfahrten oder intensive Harvestereinsätze ohne eine übermäßige Ölerwärmung absolviert. Der neue Visko-Lüfter läuft jetzt nur mehr, wenn es die Motortemperatur erfordert. „Der Verbrauch ist erstaunlich gering: Im Harvestermodus brauche ich nicht mehr als die 4-Zylinder-Maschine – trotz größerer Räder, mächtiger Bogielifts und stabileren Rahmens mit mehr Bodenfreiheit: 14 bis 15 l/Ah“, so Lukas Reisinger.
Heckwinde mit Traktionsmodus
Welte-typisch sitzt der Kran direkt über der Doppelwinde, die von Welte selbst gebaut wird und die in diesem Fall über zweimal 10 t maximale Zugkraft verfügt – bei einer Länge eines 13 mm-Seils von 125 m. Die Winde verfügt über zwei Gänge, Sanftanlauf sowie die Möglichkeit, das Seil kraftschlüssig vor- oder rückwärts laufen zu lassen. Diese Funktion ist praktisch bei Problembaumfällungen oder dem Sichern der Maschinen in steilen Hängen. Bedient wird die Winde über einen HBC-Funk, in den auch der Fahrfunk integriert ist.