Kompaktes Kraftpaket
Welte W130 der neuen Generation überzeugt im Langholz
Seit sechs Jahren ist Michael Mester im Vollerwerb mit seinem Forstbetrieb selbstständig. Neuester Maschinenzugang ist ein
Vierrad-Skidder W130 der Welte Fahrzeugbau GmbH. Kran, Seilwinde und Klemmbank nehmen es mit Langholz im Sauerland auf.
Wo die Hänge steil aufragen, sind Handarbeit mit der Motorsäge und ein starker Klemmbank-Skidder gefragt. Steil sind die Hänge
rund um Finnentrop im Sauerland, das Duett zweier Motorsägen klingt durch die kalte Winterluft – den Skidder schauen wir uns bei seinem Einsatz Anfang Februar genauer an. Es ist der erste W130 der neuen Generation, der im Sauerland seine Arbeit aufnimmt. Durch die neue, markante Kabine ist die Maschine gleich als Welte erkennbar, kurz stutzig macht die Farbgebung. Der wenige Wochen zuvor ausgelieferte Welte W130 rollt nicht im bekannten Gelb-Grau mit rotem Kran daher: Auf Wunsch von Besitzer Michael Mester wurden die Motorhaube grün, Kabine und Kran ganz in schwarz lackiert. Für Mester ist es der wohlüberlegte Kauf einer Neumaschine: Der 43-Jährige gelernte Forstwirt arbeitete nach seiner Ausbildung im Forstamt Schmallenberg einige Zeit ganz klassisch mit der Motorsäge für verschiedene Auftraggeber und startete im Jahr 2015 seinen Betrieb zunächst im Nebenerwerb. 2019 kaufte er einen Forwarder Eco Log 564C mit 12.000 Betriebsstunden und machte sich im Februar 2020 schließlich im Vollerwerb mit seinem Forstbetrieb selbstständig. Den Eco-Log-Forwarder ersetzte Mester im Herbst 2020 durch einen gebrauchten Gremo 1250, den er immer noch im Einsatz hat. Ende 2021 erweiterte er seinen Maschinenpark mit einer Funkraupe Herder CR10 zum Mulchen in der Landschaftspflege. Im Frühjahr 2023 folgte ein Deutz-Schlepper mit Forstaufbau von Ritter. Diesen Aufbau konnte er abnehmen, um die Maschine auch für andere Einsätze als klassische Rückearbeit einzusetzen. „Das war aber die absolute Ausnahme, wenn ich zum Beispiel mal ein paar Wege abgezogen habe“, erzählt Mester.
Mit Blick auf die Auftragslage und die Gegebenheiten der Region war der nächste Schritt für ihn die Anschaffung einer Langholzmaschine. Wenn die Hänge für Harvester und Forwarder zu steil sind, müssen die Stämme bis zum nächsten Weg geseilt werden. Das geht immer am besten und produktivsten, wenn die Maschine von vornherein für diese Aufgabe konstruiert wurde. So wie der Welte W130, für den Mester sich letztlich entschied.
Arbeitsplatz mit rundum freier Aussicht
Unter dessen schnittiger Haube sorgt ein Vierzylinder von Deutz mit 204 PS für die nötige Kraftentfaltung. Der Auspuff ist kaum noch als solcher zu erkennen, weil er nicht nach oben herausragt. Die seitliche Öffnung ist mit einem Gitter verkleidet. Für den Fahrer bedeutet das über die Haube freie Sicht – auf die haben die Welte-Entwickler insgesamt bei der neuen Kabine viel Wert gelegt. Fenster im Dach lassen nach oben blicken, die Seitenscheiben sind tief nach unten gezogen, die Sicht auf die Reifen ist immer frei. Geräumig und ein bequemer Arbeitsplatz auch für große Fahrer ist die Kabine zudem. Vielleicht täuscht manchen der erste Blick wegen der Form des Fahrerhauses, die sich nach oben etwas verjüngt. Welte-Verkaufsberater Frank Hellekes kennt die Fakten: „Die Grundfläche der neuen Kabine
ist genauso groß wie bei den Vorgängermodellen. Selbst große Fahrer sitzen hier bequem und nicht eingeengt.“ Wie eh und je bei Welte verfügen auch die neuen Kabinen über vollwertige Ein- und Ausstiegstüren rechts und links. Im Flachland mag das überflüssig erscheinen, aber beispielsweise an einem Weg quer zum Hang ist es hilfreich, die passende Seite wählen zu können.
Um sich die Stämme in die Klemmbank zu heben, wählte Mester den stärksten Rückekran der S-Klasse von Palfinger Epsilon, den S120R mit acht Metern Reichweite. Der hebt bei voller Auslage 1.250 Kilogramm. Zugepackt wird mit dem Greifer FG43S: Die mittlere Größe dieser Baureihe von Palfinger Epsilon bietet eine Öffnungsweite von 1,88 Metern.
Stämme außerhalb der Kranreichweite müssen die Beute der Welte-Doppeltrommelwinde werden: Mester entschied sich für das große Modell HZM 15 mit 16 Tonnen Summenzugkraft. 30 Meter mehr Seil als in der Standardausführung durften es bei ihm auch sein: Auf beiden Trommeln sind 120 Meter hochverdichtetes Stahlseil der Stärke 13 Millimeter aufgespult.
Da alle Maschinen bei Welte individuell gefertigt werden, können Bedürfnisse der Kunden berücksichtigt werden. Michael Mester rückt nicht nur Langholz, sondern mit einem Rückewagen auch Kurzholz. Bei der Hydraulikschlauch-Anbindung am Klemmbankheckschild bauten die Welte-Monteure deshalb zwei Schraubkupplungen an. Wenn Mester den Rückewagen anhängt, kann er hier die Leitungen trennen und die Deichsellenkung anschließen. Über die Sektion „Klemmbank öffnen/schließen“ lenkt er den Anhänger per Joystick. Dadurch konnte ein zusätzlicher Anschluss eingespart werden.
Vorteile mit kurzen Wegen und langfristigen Partnerschaften
Dieser Einsatz Anfang Februar steht im Zeichen der kurzen Wege – gelungenes Beispiel der regionalen Wertschöpfung mit dem Rohstoff
Holz. Michael Mester wohnt in Finnentrop, und auch der Waldbesitzer Graf Gundolf von Plettenberg mit seiner Forstverwaltung ist hier ansässig. In einem Mischbestand mit Lärche, Buche und Ahorn wird durchforstet. Abnehmer für das Nadelholz sind ebenfalls nah: Zwei Sägewerke befinden sich im Umkreis von zwei Kilometern.
Rund 900 Hektar zählt der Waldbesitz von Graf Plettenberg hier im Sauerland. Den Käferjahren 2018 bis 2023 fielen rund 200.000
Festmeter Fichte zum Opfer. Auf seinen Schadflächen geht es voran: „Etwa 95 Prozent der Flächen sind schon wieder aufgeforstet.
Dabei setzen wir auf einen Nadelmischwald mit Douglasie, Küstentanne und auch wieder Fichte“, erläutert von Plettenberg. Letztere möchte er hier nicht vollständig abschreiben, man müsse immer den konkreten Standort berücksichtigen, unter anderem dessen Wasserversorgung. Er ist überzeugt: Mit ausreichend Niederschlag und an einem Nordhang kann die Fichte durchaus widerstandsfähig wachsen. Dann haben auch die nächsten Unternehmer- und Maschinengenerationen wieder Holz zu ernten und ins Sägewerk zu liefern.
Artikel von Johanna Waid in der Forstmaschinen-Profi März 2026