Volle Testfahrt
Welte Überarbeitet seine Baureihen, aktuell den Sechszylinder W230
Bei Welte fließen kleinere Neuerungen auf Basis von Kundenwünschen regelmäßig in die Produktion ein. Jetzt war es an der Zeit, die Änderungen auf alle Baureihen zu übertragen. Nach dem W100 ist jetzt die Sechszylinder-Modellreihe des W230 dran – der Prototyp
absolviert derzeit erste Einsätze in der Praxis.
Das wird auf den ersten Blick am Einsatzort nahe Immendingen im Landkreis Tuttlingen deutlich: Weder mit Holzmenge noch -masse wird hier gegeizt, das Maschinen-Material nicht geschont. Aber das ist auch nicht Sinn der Sache, schließlich wird hier ein Prototyp getestet,
um den Entwicklern wertvolle Hinweise geben zu können. Beweisen soll sich der Vierrad-Skidder W230 der Welte Fahrzeugbau GmbH aus Umkirch. Sofort auffällig ist die neue Kabine, die erstmals im vergangenen Jahr auf der KWF-Tagung beim Modell W100 zu sehen
war. Künftig ist diese Kabine Standard bei allen Welte-Maschinen: Sie wird von einem Spezialisten aus Baden-Württemberg gefertigt. Diese Umstellung auf „eine für alle“ bringt einige Vorteile in der gesamten Fertigung; bisher verbaute Welte unterschiedlich große Kabinen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der neue W230 rund 500 Kilogramm leichter, unter anderem sorgt die neue Kabine für diesen Gewichtsvorteil. Montiert ist sie auf einem Kabinenrahmen mit Dämpfungselementen: Dadurch werden Schwingungen besser abgefangen, für Servicearbeiten kann die Kabine mitsamt Rahmen auf die Seite gekippt werden.
Insgesamt wirkt die Silhouette ein wenig schlanker und moderner: Die Motorhaube baut deutlich niedriger und etwas länger, weil der Klimakondensator vor den Kühler gerückt ist. Unter der Haube arbeitet nach wie vor ein Deutz-Sechszylinder der Abgasstufe V mit 245 PS. Gefeilt wurde allerdings an der Software für die Motorsteuerung, um die Leistungsabstimmung zu verbessern. Entwicklungsleiter Armin Riesle erläutert: „Die Kranbewegungen laufen flüssiger, und wir konnten die Laufruhe des Motors bei Kranarbeit während der Fahrt erhöhen.“ Prinzipiell wurde am Fahrantrieb nichts geändert, zwischen den drei Modi lässt sich unter Volllast schalten. „Hier haben wir lediglich die Abstimmung etwas verfeinert, die Endgeschwindigkeit in den Arbeitsgängen ist jetzt spritziger“, so Riesle weiter.
Auspuff: kurz und kantig
Auch das fällt auf: Die Führung des Abgasrohrs wurde geändert, einen markanten Edelstahlglänzenden Auspuff gibt es nicht mehr. Stattdessen ragt nur noch eine kurze Öffnung aus der Haube, verkleidet mit einem schräg verlaufenden schwarzen Blech. Das zuvor bereits gute Sichtfeld für den Fahrer verbessert sich damit nochmals. Weitere Neuerungen gibt es rund um die Motorverkleidung: Seitenbleche können werkzeuglos abgenommen werden beziehungsweise Gitterelemente einfach aufgeschoben werden, um beispielsweise ohne großen Aufwand den Öl-Peilstab zu erreichen.
Das Klemmbank-Heckschild wurde in den vergangenen Jahren in verschiedenen Details angepasst, ab jetzt wird eine neue Bauweise umgesetzt. Traditionell sitzt die Klemmbank wieder auf dem Heckschild, allerdings erfolgt die Lagerung nun über einen Kugeldrehkranz. Der Klemmbankkörper und die Arme haben eine etwas geänderte Form, was eine noch bessere Klemmung der Stämme ermöglichen soll. Serienmäßig verbaut Welte hier eine hydraulische Nachspannautomatik. Die Hubmechanik des Heckschilds ist nun so optimiert, dass es besser nach unten abgedrückt werden kann.
Die Bedienung über ein neues Display wurde ebenfalls modernisiert, und der Fahrer hat die Wahl zwischen Joysticks oder Minihebeln. Der Bordcomputer bietet mehr Einstell- und Diagnosemöglichkeiten. Die Fernwartung für die Unterstützung durch einen Welte-Techniker ist jetzt einheitlich möglich.
Testgelände Schwarzwald
Mit dem Werksstandort unweit von Freiburg und dem Schwarzwald vor der Haustür ist geeignetes Testgelände nicht weit: Welte lässt den W230 von erfahrenen Kunden testen, die auch den direkten Vergleich zur Vorgängermaschine haben. Für umgehende Rückmeldung und eventuelle technische Anpassungen kann Armin Riesle den Prototyp dann dort besuchen, wo es zählt: in der Praxis. Bei diesem Einsatz im Gemeindewald von Immendingen arbeitet David Kleiser mit dem Prototyp und kann ihn gleich ordentlich fordern: Mächtige Fichten gilt es, einen abschüssigen Weg hinunterzuziehen. Durchmesser und Länge der Stämme sind beeindruckend, aber David und die Maschine scheinen fast unbeeindruckt und packen vier dieser Kaliber in die Klemmbank, nehmen noch einen in den Greifer und rauschen ab. An Zugkraft mangelt es offensichtlich nicht. Am Ende des Wegs bietet sich an einer Gabelung Platz zum Poltern, und Davids Bruder Jonas hat an seinem Welte W230 ein SP-Harvesteraggregat montiert, mit dem er das Holz dort einteilt.
Eingefleischte Welteaner werden sich an neue Modellbezeichnungen gewöhnen müssen, die aber einfacher zuzuordnen sein sollen, wie Verkaufsberater Frank Hellekes erläutert: „Einen W210 wird es künftig nicht mehr geben, stattdessen neben dem W100 und W130 nur noch den W230.“ Dieser ist in den Varianten K „Kurz“ und M „Mittel“ erhältlich. Das „neue M“ entspricht den bisherigen Maßen des längeren Standard-Chassis.
Bericht von Johanna Waid - Forstmaschinen-Profi März 2025