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Der neue Achtrad im Praxistest

Die Firma Welte Fahrzeugbau stellte auf der KWF-Tagung mit dem W200 eine neue Kombimaschine mit Achtradfahrwerk vor. Im September war sie im Norddeutschland beim Forstunternehmen Bernhard Beyer im Testeinsatz. Wir haben die Maschine dort im Rahmen einer Vorführung besucht.

Zum Langholz rücken und Kurzholz fahren sind eigentlich zwei Maschinen nötig, ein Skidder und ein Forwarder. Es hat sich jedoch sich jedoch herumgesprochen, dass man die damit verbundenen Kosten einsparen kann, wenn man eine Kombimaschine kauft, die beide Aufgaben bewältigt. So eine wie den W200 der Firma Welte Fahrzeugbau GmbH aus Umkirch, der auf der KWF-Tagung in Roding erstmals öffentlich zu sehen war. Im September ging die neue Achtrad-Maschine in den Praxiseinsatz nach Norddeutschland, um Punkte bei den Kaufinteressenten zu sammeln. Als erstes Unternehmen konnte der Forstbetrieb B. Beyer aus Coppenbrügge bei Hameln das System rund zwei Wochen ausgiebig testen.

Der W200 ist die zweite Achtradkreation der Spezialisten für Kombimaschinen aus dem Breisgau. Sie löst gewisserweise den W140 ab, den Welte auf der Interforst 2010 als ersten Achtradler vorgestellt hat. Der neue Typ W200 ist allerdings nicht als direkter Nachfolger gedacht, sondern eher „eine Mischung aus dem W240 Titan 6-Zylinder und dem W140 4-Zylinder". So erklärt es Frank Hellekes, der für Welte Fahrzeugbau seit Anfang dieses Jahres das Verkaufsgebiet Nord-West-Ost betreut. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Karl-Heinz Völlmecke leitete er die Maschinenvorführung in Winzenburg bei Alfeld, wo Forstmaschinenfahrer Günther Thiemann in einem gut 100 Jahre alten Waldbestand kurz und lang ausgehaltenes Fichten- und Buchenholz rückte.

Baukastensystem

Der W200 ist wie alle Welte-Maschinen als Baukastensystem konzipiert, was variantenreiche Kombinationen gemäß den individuellen Anforderungen der Kunden ermöglicht. Den Hinterwagen der Maschine, der jeweils kundenspezifisch modifiziert werden kann, verwendet Welte beispielsweise auch beim Sechsradmodell W210. Nur der Vorderwagen ist eine Neukonstruktion, wobei die Drehkabine, die auch mit einer Tilteinrichtung ausgestattet werden kann, im Wesentlichen noch vom W140 stammt.

Aufgebaut ist der Vorderwagen des W200 auf einem Rahmen mit Kastenprofil, in dem Hydrauliköl- und Kraftstoffbehälter untergebracht sind. Der Hinterrahmen ist in Wannenbauweise ausgeführt. Die Verwindungssperre für das stark dimensionierte Mittelgelenk mit Kegelrollenlager wird mit automatisch oder manuell schaltbare Hydraulikzylindern bedient.

Angetrieben wird der W200 von einem Deutz-Motor der Tier4-final-Stufe. Die Motorleistung von 180 kW wird von einem hydrostatischen Antrieb mit Zweigang-Getriebe übertragen. Dieses lässt drei während der Fahrt schaltbare Stufen in jedem der beiden Gänge sowohl rückwärts als auch vorwärts zu. Somit kann der Fahrer situationsabhängig über einen Wippschalter am Joystick immer die richtige Geschwindigkeit wählen. Dabei werden im Getriebe keine Schaltvorgänge ausgelöst, sondern der Ölfluss im Hydrostat wird elektrohydraulisch geregelt. Wie wirkungsvoll Motor und Antrieb arbeiten, war am blanken Abgasrohr der Vorführmaschine abzulesen.

Unter der Motorhaube bzw. hinter dem Kühlergrill punktet der W200 mit weiteren Technikdetails. Klappt man den mit Splinten gesicherten Grill auf, wird das sofort an den drei Filtereinheiten für Ladeluft, Wasser und Hydrauliköl deutlich. Waren diese beim alten Sechszylindermotor hintereinander angeordnet, stehen sie jetzt nebeneinander und arbeiten wesentlich effizienter, auch weil beim Reinigen der Schmutz nicht von einem Kühler in den dahinterliegenden geblasen wird. Ein Umschaltventilator von Cleanfix befreit die drei Kühler und den großen Luftfilter des Motors dabei von Zeit zu Zeit von angesaugten Blättern und Staub.

Zur Forstausrüstung gehört neben der Welte-Doppeltrommelwinde HZM15 mit 2 × 80 kN Zugkraft und 2 × 130 m Seil, der kräftige Epsilon-X140F-Kran mit 10 m Reichweite.

Die Vorführmaschine ist mit 800 mm breiten Reifen der Marke Nokian TRS2 ausgestattet, es sind jedoch auch andere Reifendimensionen erhältlich.

Die Konstruktion berücksichtigt die Erfahrungen der Praxis. So ist der Kranaufbau mittig zwischen den Achsen von Vorder-und Hinterwagen platziert, um eine optimale Lastenverteilung und Standfestigkeit zu erreichen. Ebenso hat Welte von vornherein Zurrpunkte zum Umsetzen der Maschine auf dem Tieflader angebracht. Schon selbstverständlich ist es, dass die geräumige Drehkabine seitlich kippbar ist, was ein großes Plus bei Wartungsarbeiten darstellt.

Zielgruppe

Die Frage, welche Zielgruppe Welte mit der Achtradmaschine im Blick hat, kann Frank Hellekes spontan beantworten: „Alle, die stärkeres Holz rücken, die Nachfrage ist da ..." Aus diesem Grund ist auch der Kontakt zum Unternehmer Bernhard Beyer aus Coppenbrügge zustande gekommen. Der Forstbetrieb gehört mit seinen 20 Mitarbeitern und allein sechs Kurzholzmaschinen von Komatsu und Logset zu den großen Forstunternehmen im Deister.

Mit einem W210 mit Kombikorb rückt Bernhard Beyer schon seit Jahren häfig starkes Holz. Er sucht aktuell eine weitere vielseitig einsetzbare Maschine, und der W200 kam seinen Vorstellungen dabei von vornherein entgegen. Was er gleich als erstes überprüfen wollte, war allerdings, ob das lange Gefährt überhaupt auf seinen Tieflader passt. Das habe jedoch schnell geklärt werden können, berichtet Frank Hellekes: „Wenn sie rückwärts auffährt, geht’s."

Letztlich ist es der Fahrer, der mit der Maschine tagtäglich arbeitet und der mit ihr zufrieden sein muss, kommt Bernhard Beyer auf Günther Thiemann zu sprechen. Der arbeitet schon seit 17 Jahren im Unternehmen und ist ein echter Vollblutfahrer. „Günther arbeitet mit dem Welte W210 komplett selbstständig und in Eigenregie", unterstreicht Beyer, warum der Profiein Wort bei der möglichen Kaufentscheidung mitreden soll. Für ihn persönlich sei es zunächst darum gegangen, das neue Welte-Modell kennenzulernen. Der W200 macht auf ihn einen sehr guten Eindruck in Bezug auf Leistung und Fahrkomfort, sodass der Unternehmer unter Berücksichtigung einiger Änderungen erste Kaufverhandlungen aufgenommen hat.

Im zweiwöchigen Probeeinsatz bei Winzenburg lotete Günther Thiemann die Fähigkeiten des W200 ausgiebig aus. Sein Resümee: „Die Maschine ist top und sie bringt eine super Leistung. Ich bin selber überrascht, nachdem ich bislang schon den W210 gefahren habe, der auch sehr gut ist." Beeindruckt hat ihn, dass es der W200 beim Fahren auf gut befahrbaren Rückgassen im ersten Gang auf bis zu 15 km/h bringt. Und auch der komfortable Wechsel von Rungenkorb und Klemmbank spricht für die neue Kombimaschine. „Dafür, dass ich das noch nie gemacht habe, waren zehn Minuten schon eine gute Zeit." Überzeugt hat ihn besonders die hydraulische Verriegelung bei der Klemmbank. „Weil bei uns viel kurzes Holz anfällt, brauche ich für solche Einsätze den großen Rungenkorb", erklärt Thiemann. Insgesamt biete der W200 die versprochene große Einsatzbreite, denn „vom 3-m-Kurzholz bis zur 10-Fm-Buche rücke ich alles alleine".

Wie der Einsatz beim Unternehmen Beyer zeigte, erreicht der W200 trotz des Achtradfahrwerkes die Wendigkeit der Sechsradmaschine W210. So sieht es auch Frank Hellekes, der schon den nächsten Probeeinsatz für den Newcomer vorbereitet hat. Nach einer gründlichen Einweisung können interessierte Unternehmen die Maschine bei Welte etwa eine Woche lang im heimatlichen Revier einsetzen und sie dabei gründlich kennenlernen.

Wie Hellekes sagt, sieht er einen erkennbaren Anstieg der Nachfrage nach Achtradmaschinen wie den W200, der als Kombimaschine in der Grundausstattung mit Doppeltrommelwinde, Heckschild und höhenverstellbaren Seileinlauf auf einen Preis von etwa 360 000 € kommt. „Aber es gibt ihn in der T-Version auch als reinen Forwarder ohne Seilwinde und Klemmbank und die ist natürlich wesentlich preisgünstiger", macht Hellekes auf eine Alternative aufmerksam.

Hoppe, Werner: Forst & Technik 11/2016